Psychosoziale Notfallversorung - ein unterschätztes Thema

Ein schwerer Verkehrsunfall auf der Landstraße. Vor den Augen der entsetzten Ersthelfer verbrennt eine 30-Jährige Familienmutter im schwer beschädigten Autowrack. Die Ersthelfer haben immer und immer wieder versucht die Fahrerin aus ihrem PKW zu befreien, doch sie kann nicht mehr rechtzeitig befreit werden.

Diese Situation ist in mehreren Dimensionen potenziell traumatisierend:

  1. Für die Ersthelfer/innen.
  2. Für die Hinterbliebenen der Mutter.
  3. Für die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei an der Einsatzstelle.

Die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) umfasst die organisierte seelische erste Hilfe für diese Zielgruppen.
Ein Teil der PSNV ist die Krisenintervention. Die Krisenintervention kümmert sich in allen potenziell traumatisierenden Situationen um die Betroffenen, Hinterbliebenen oder Augenzeugen.
Die Krisenintervention bietet "Erste Hilfe für die Seele" an, um den Betroffenen schnellstmöglich in akut belastenden Momenten psychologisch beistehen zu können. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte zeigten, dass die Kräfte des Rettungsdienstes für diese Aufgabe schlichtweg überfordert sind.

Die Überbringung einer Todesnachricht ist Aufgabe der Polizei.
Doch die Beamten der Polizei bringen nur selten genug Zeit mit, um die Hinterbliebenen so lange zu begleiten wie dies erforderlich ist.
Aufgabe der Krisenintervention ist es, die Polizei bei der Überbringung zu begleiten. Anschließend kümmern sich die Helfer des KIT um die seelische Betreuung der Hinterbliebenen.
Dabei geht es in erster Linie darum die Betroffenen wieder handlungsfähig zu machen und ihnen dabei zu helfen die Nachricht zu realisieren.

Dieses Tätigkeitsfeld ist enorm anspruchsvoll und fordernd. Trotzdem ist es mindestens ebenso wichtig und unterschätzt. Denn im Alltag spielt der plötzliche, unerwartete Tod keine Rolle.
Umso größer ist das Entsetzen, wenn Menschen durch ein plötzliches Ereignis aus dem Leben gerissen werden.
Die Krisenintervention ist auf diese Situationen vorbereitet und leistet Hilfe.

Als Gründer und Teamleiter der Krisenintervention im DRK Kreisverband Dresden-Land e. V. engagiere ich mich für eine bessere psychosoziale Notfallversorgung im Landkreis Meißen.


Mehr über die Arbeit des KIT erfährst du HIER.