Das Bild zeigt ein OP-Team bei der Arbeit.

Gesundheitswesen

Gesundheitspolitik - für viele klingt dieses Thema sehr abschreckend. Zu groß, zu komplex, zu schwierig und sowieso: Die Fehler stecken viel zu tief im Detail.

Und so habe auch ich eine lange Phase der Annäherung gebraucht, um mich für diesen großen Komplex zu interessieren. Vorsichtig - aber dennoch neugierig und wissbegierig - bin ich dabei hinter die Funktionsweisen und Wirkungsmechanismen unseres deutschen Gesundheitssystems zu blicken.

Das liegt nicht zuletzt an meiner beruflichen Herkunft als Rettungsassistent sowie der Wahl meines Studiengangs: Management im Gesundheits- und Sozialwesen.
Stück für Stück wächst ein Bewusstsein für die enormen Probleme, vor denen wir heute im Gesundheitssystem stehen - und die morgen auf uns als Gesellschaft zukommen werden.
Aber auch die Chancen und Möglichkeiten gestaltender Gesundheitspolitik sind interessante Aspekte, über die es sich in der Vorlesung zu diskutieren lohnt.

Wie werden wir morgen die stetig steigenden Ausgaben im Gesundheitssektor schultern?
Welchen Chancen und Risiken werden wir als alternde Gesellschaft begegnen?
Wie verhindern wir den drohenden Pflegenotstand?
Welche Gesundheitsversorgung können, und wollen wir uns im ländlichen Raum leisten?
Werden wir das Krankenhaus-Sterben in Deutschland weiter hinnehmen, oder setzen wir auf gezielte Planung in der medizinischen Infrastruktur?
Wann beenden wir das unsolidarische Nebeneinander von Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung?

Die Fragen sind schier unerschöpflich - die Antworten meist nur schwer zu finden.
Gerade vor diesem Hintergrund bin ich mir bisher nur in einem Punkt sehr sicher:

Die völlig außer Rand und Band geratene Ökonomisierung des Gesundheitswesens muss beendet werden.
Die Gesunderhaltung oder Heilung von Menschen ist kein Spielfeld von Wirtschaftskonzernen, die mittels ständiger Prozessoptimierung versuchen Kapital zu erwirtschaften.
Vielmehr ist es die höchste staatliche Pflicht medizinische Leistungen allen BürgerInnen gleichermaßen zugänglich zu machen und eine Versorgung auf qualitativ höchstmöglichem Niveau zu sichern - natürlich unter dem Primat die öffentlichen Haushalte finanzielle nicht zu überlasten.

Es läuft mir eiskalt den Rücken herunter, wenn ich beobachte, dass mehr und mehr private Anbieter ganze Klinikenketten übernehmen, Pflegeheime betreiben und sogar in den Bereich der Notfallrettung vorstoßen.
Oftmals wird damit argumentiert, dass diese Betreiber marktwirtschaftlicher und effizienter arbeiten würden.
Wie aber soll beispielsweise die Rettung eines Menschen aus einer Gefahrensituation jemals "marktwirtschaftlich" sein? Können Prozesse im Krankenhausalltag wirklich jährlich ständig weiter "optimiert" werden, bis auch der letzte Anteilseigner genug Rendite erwirtschaftet hat?

Meine Antwort heißt: Nein.
Es ist Aufgabe GRÜNER Gesundheitspolitik dieser Ökonomisierung des Gesundheits- und Sozialwesens ein Ende zu bereiten.